Textilien
Antiquar Ann-Marie Björk, Länsmuseet Gävleborg
Lange,
bevor die Reportagen über Einrichtungen in Heimen in den Wochenzeitschriften
erschienen, war die Kunst seine Zimmer einzurichten in Hälsingland
bekannt.
Hälsingland - eine Landschaft der Textilwaren
Auf dem Fußboden lagen die dunklen Flicken- oder Ripsteppiche
und vor den Fenstern hin-gen die weißen, zarten Querbehänge
die das Licht auffingen und es im Zimmer verbreiteten. Die Fußböden
waren dunkel und schwer, die Fenster und Decken hell und leicht.
Die Hausfrau sorgte für die Verzierungstextilien und den Wäschevorrat.
Sie konnte durch ihre Arbeit und ihrem künstlerischen Schaffen den
Reichtum des Hofes und ihre Kreativität exponieren. Schon als kleines
Mädchen wurde sie in die Kunst eingeweiht, Textilwaren für das
eigene Heim herzustellen. Die Wäsche war die Mitgift der Frau. Es
wird erzählt, dass die Frau bei einer eventuellen Scheidung auch
weiterhin die Wäsche zu ihrem Eigentum zählt.
Der Flachs
Seit der vorgeschichtlichen Zeit ist der Flachs in Hälsingland angebaut
worden. Im Mittelalter und später war der Flachs und das Leinen eine
wichtige Handelsware. Die Worte, leinengebunden und ziemlich grobes Leinengewebe
waren die Handeltermen für das gewöhnlichste Gewebe, dass in
die Städte verkauft wurde. Der Flachs und das Leinen wurden in Geld
umgetauscht. Für Geld konnte man Flitter oder noch größere
Wohnhäuser bauen. Das Leinen erhielt aber auch einen Platz im Heim
und noch immer kann man den Anblick von vollen Wäscheschränken
in Hälsingland genießen. Laken mit Klöppelspitzen, große
Kopfkissenbezüge mit Stickereien oder sorgfältig gekräuselte
geknotete Bänder, Handtücher in Bündel aus einfachen Gewebe
und mit den Initialen der Eigentümerin.
Die Reichtümer verwahrte man in Kisten oder in Kleiderkammern. Der
vollgepfropfte Wä-scheschrank gehörte zum späteren 19 Jahrhundert,
aber bedeutend früher gebrauchten die Menschen in Hälsingland
ihr Leinen um die Interieurs zu verschönern. Vielleicht war es eine
Sitte, die Wände mit weißem Leinen zu verkleiden, bevor die
richtige Wandmalerei im 18 Jahrhundert zum allgemeinen Gebrauch wurde.
In der Gemeinde Ovanåker werden weiße Textilstücke, die
sogenannten kvistakläden" mit eingefügten Spitzen
mittelalterlichen Cha-rakters bewahrt. Der Brauch, die Wände mit
weißen Textilien zu verschönern, lebte lange in den Sennenhütten
bis in die heutigen Tage.
Die Sennenhütten wurden ein Unterschlupf für frühere Moden
in den Heimen. Früher gab es einen Überschuss von Leinen, weil
man schon im 17 Jahrhundert eine Lumpenpapierfabrik in der Provinz gebaut
hatte. Diese Papierfabrik brauchte gerade Lumpen als Rohstoff für
die Herstellung von Papierwaren. Spezielle Lumpensammler wurden von den
Papierfabriken engagiert und verlangten den Bauern die Lumpen ab. Hier
ahnte man schon ziemlich früh ei-nen hohen Verbrauch von Leinen in
der Provinz- denn dieses war nicht nur eine Handelsware.
Das Großbett
Der wichtigste Exponent für das Leinen war das große Bett.
Es war nicht dazu da um darin zu schlafen sondern stand als Zierde an
einem strategischen Platz im Haus.
Zu unterst befand sich ein Überzug, vollgestopft mit Stroh oder Hobelspäne.
Darüber lag eine Bettdecke, die an der langen Seite des Bettes zum
Fußboden herunterhing. Die Bettdecke war oft geschmückt mit
Spitzen, Initialen oder Stickereien in Rot. Auf der Bettdecke lag oft
ein grobes Bettuch, bestehend aus weißem Flickengewebe und darüber
die eigentliche Decke entweder aus Schaffell oder Knüpfgewebe.
Im Sommer schmückte man das Bett mit einem weißen Flickengewebe.
Alle Geschichten von den Großbetten erzählen, dass keiner in
diesen schlafen durfte, denn diese waren nur guter Anblick für das
Auge.Das alltägliche Bett war wahrscheinlich viel einfacher in seiner
Aufmachung. Wie dieses alltägliche Bett eigentlich beschaffen war,
darüber wissen wir nicht all zu viel. Erst im 20 Jahrhundert begann
das Bett wie unser modernes Bett auszusehen. Man verwendete wattegestickte
Decken, Sprungfedermatratzen, Überschlaglaken und rektanguläre
Kissen.
Der
Flickenteppich
Wenn man an Flickenteppiche denkt nimmt man den Geruch von Schmierseife
wahr und hat das Gefühl von blanken, verschlissenen Fußböden
aus Föhrenholz. Die Flickenteppiche und Ripsteppiche kommen Mitte
des 19 Jahrhundert zur Anwendung und werden mit der Ein-sammlung von Lumpen
Zusammenhang gebracht, da dies nicht länger eine Pflicht des Bau-ernstandes
war, und das Einsammeln um 1820 aufhörte. Die Lumpen verblieben in
den Heimen und plötzlich wurden diese zu Teppichen welche die Fußböden
verzierten.
Die Teppiche spiegelten farbmassig die beendete Kleidermode und waren
oft schmal, dünn und leicht. Trotzdem lagen diese still auf den Fußböden
aus Föhrenholz. Oft hatten diese dunkle Partien" Böden"
die hier und da mit farbstarken Rändern belebt wurden. Flicken- und
Ripsteppiche in Hälsingland zeugen von genialem Vermögen Farben
zu komponieren.
Gardienen
Es wird behauptet, dass die Anwendung von Gardinen in der Mitte des 19
Jahrhundert durchdrang.
Wahrscheinlich wurden weiße, maschinengewebte und leicht zugängliche
Baumwoll-gardinen zu dieser Zeit sehr gebräuchlich. Bei Studien von
Inventarlisten aus dem 18 Jahrhundert stellt man fest, dass ungewöhnlich
viele Bauern in Hälsingland schon damals Gardinen besaßen.
Man hatte Gardinen in Übernachtungshäuschen, Waschküchen,
und Herrenhäuser. Vielleicht gebrauchte man diese als Vorzugsgardine,
anstatt als eine Zierde. Die Gardinen waren oft klein, hingen vom halben
Fenster herunter und hatten nach oben gesehen die Form von einem kleinen
Querbehang. Nach oben hin wurde der Querbehang meistens an einem leicht
hervorstehenden Fensterbrett befestigt. Erst Ende des 19 Jahrhundert wurden
die so genannten Langgardinen" alltäglich.
Tischtücher zum Fest und Alltag
In den Wäscheschränken findet man häufig lange Tischtücher.
Diese kamen zur Anwendung bei großen Festlichkeiten in den Herrenhäusern,
wie Hochzeit, Beerdigung, Kindertaufe und häusliche Katechisation.
Diese Tischtücher waren entweder aus Leinen oder Halbleinen und in
Köpervarianten, einfachem Gewebe oder Gänseaugen gewebt. Die
Tische der reichen Bauern waren mit Holztellern, Zinnschüsseln, Schnapsgläsern
aus Silber und einige andere Glaser gedeckt. Die Festlichkeiten konnten
Tage dauern wobei das Essen am gedeckten Tisch das wichtigste war. In
den Wäschenschränken der Menschen lagen die Handtücher
oft in gelb gewordenen Stapeln. Das Handtuch ist keine alte Textile denn
es kam ziemlich spät zur Anwendung. Gewöhnlicher Weise nahm
man die Schürze oder einen alten Lappen um sich die Hände abzutrocknen.
Geschirr wurde abgewaschen und zum Selbsttrocknen hingestellt.
Mit dem zunehmenden Wohlstand und bürgerlichen Einfluss von Sauberkeit
und Hygiene wurde das Handtuch im 19 Jahrhundert modern und wurde in verschiedenen
Qualitäten gewebt um in vielen Anwendungsgebieten Gebrauch zu finden.
Die Baumwolle kam mehr und mehr zur Anwendung in der Mitte des 19 Jahrhundert.
Baum-wolle war leicht zu bekommen, leicht zu pflegen und spielte eine
große Rolle als Textil für Einrichtungen in der Wohnung und
im Wäscheschrank. Man webte auch gerne in Halb-baumwolle",
da die echte Baumwolle zu exklusiv und zu teuer war. Baumwolle war einfach
zu färben und nun wurden die türkisch roten" Einschläge
Mode. Man stickte Säume typisch für Delsbo und Järvsö
und schmückte die Betten mit dieser Neuigkeit.
Flors Leinenmanufaktur
1729 wurde eine Leinenmanufaktur in der Gemeinde Mo in Hälsingland
gegründet. Die wichtigste Aufgabe des Manufakturbetriebs war Tischdecken
und Servietten aus Damast und Drell für den Adel und den königlichen
Hof in Schweden zu weben. Hierfür bekam man staatliche Unterstützung.
Viele Menschen waren von dem Manufakturbetrieb abhängig, nicht zuletzt
durch die pädagogische Tätigkeit die dort und in der ganzen
Landschaft betrieben wurde. Die Produktionskette, Anbau, Bereitung und
Weben hatte Bedarf an einer Verbesse-rung. Der Leinenmanufakturbetrieb
Flor trug zu einer erheblichen Qualitätsverbesserung der Handhabung
von Leinen in Hälsingland bei. 1845 wurde die Fabrik stillgelegt.
Ein
versäumter Kulturschatz
Es gibt immer noch große Mengen Leinen in Hälsingland. Bis
zur Zwischenkriegszeit wurde in der Provinz Leinen angebaut, bereitet
und mit der Hand gewebt.Nach dem zweiten Weltkrieg wurde alles beendet.
Es ist eigenartig, dass es heute noch Menschen gibt die in ihrer Jugend
an dieser Produktion teilnahmen. Es lohnte sich aber nicht mehr Leinen
anzubauen, da die Baumwolle billiger wurde und er Zugang jetzt leichter
wurde. Das weben mit der Maschine begann und plötzlich hatte man
Frottierhandtücher und Bettüberzüge zur Verfügung
die nicht mehr gemangelt werden brauchten.
Die meisten Menschen sind der Auffassung, dass die neuen Materiale einfach
zu pflegen sind. Wenige, unverheiratete Frauen sammeln vor der Hochzeit
Leinen in ihren Wäscheschränken. Die Kreativität und das
Sammeln haben neue Wege gefunden. Wer kann schon eine Mangel hantieren,
die dem Leinen den richtigen Glanz gibt? Und es ist traurig zu wissen,
dass die Leinenschätze zu billigen Preisen auf Auktionen herausgeschleudert
werden.
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